Ja, der Titel der Dokumentation lässt Zuschauer*innen bereits frohlockend stutzen. Hier ein Filmeindruck mit Geständnis: mein Filmerlebnis endete lange vor dem Abspann. Hoppla.

Der Text entstand für die Lesung „E wie Ego im digitalen Zeitalter“.

Zum Einstieg erstmal zwei Kurz-Interviews.
S i e, die charmante Sängerin mit der sanften Stimme
und den melancholischen Texten.
Wird vorgestellt von i h m.
Währenddessen eine Stimme aus dem Off:
Nahaufnahme.
Sie tanzt verträumt im Kreis.
Ein buntes Tuch in die Haare geknotet.
Seine Worte enden.
Schnitt.

Er der Schulabbrecher mit dem Bedürfnis nach Freiheit.
Hat sich auf sein Fahrrad geschwungen und die Welt umrundet.
Total unkonventionell.
Wird vorgestellt von i h r.
Eigentlich sympathisch.
Die beiden.

 

Rückblicke.
Kennenlernen.
Archivmaterial aus der vergangenen Reise.
Schnitt.

Momentaufnahme der heutigen Situation.
Wir sitzen gefühlt in einem Berliner Loft.
Stilvoll. Irgendwo ist ein großer Berner Sennenhund.
His name is Rudi.
Schnitt.

Ein Kauf im Internet:
es wird ein alter amerikanischer Schulbus.
Der gelbe Klassiker.
Schnitt.
Umzugskartons.
Eine stilvolle Wohnung in Berlin weniger.
Einen langen Flug später.

Schnitt

Darauf folgen 3 Monate Arbeit.
Alles rausreißen.
Alles neu.
Detailaufnahmen von Messing-Wasserhähnen.
Gefolgt von Bauschutt.
Detailaufnahmen von grün-melierten Fließen
und ein kunstvolles Mosaik.
Gefolgt von Bauschutt.
Schleifen, hämmern, anschließen
und immer schön lächeln dabei.
Was entsteht ist ein
weißgraues Wohlfühl-Zuhause
beschmückt mit diesen
„Live Laugh Love“ Bildern an der Wand.
Schnitt.

Was danach folgt ist ein redundanter
Wechsel an Einstellungen.
Gemeinsam tuckern wir durch Kanada
rüber nach
Alaska.

Die Kamera begleitet uns.
Hin und wieder fliegt die Drohne über die Landschaft.
Straße, Straßen noch mehr Straßen.
45.000 km fährt
der gelbe Riese über die staubigen Schlaglöcher Nordamerikas.

 

Detailaufnahmen im Seitenspiegel.
Landschaft zieht an der Linse vorbei.
Halbtotale. Straße und Staub. Totale.
Der Bus irgendwo im Nirgendwo.
Neuer Nationalpark.
Panoramaaufnahme.
Lange Einstellung zum – hmmm – genießen.
Wirklich wunderschön.

Pärchenselfie.
Interview-Selfie.
Wir-küssen-uns-unter Wasser Selfie.
Der Hund im Tanz mit beiden.
Wieder ein Pächrchenselfie.
Landschaft.
Straße.
Staub.
Bus.
Straße.
Selfie.
Bus.
Selfie.
Straße.
Selfie. Selfie. Selfie.

Schnitt

Innehalten.
Schlucken.
Was passiert hier?

Das massive Monster von Schulbus.
Oase vermeintlichen Pesudo-Minimalismus.
Fragwürdig.

30 Liter auf 100 km schluckt der Riese.
45.000 km tourt er durch Nordamerika.
Selfie – an Landschaft – an Selfie.
Menschen, Kontakt und Austausch?
Mal bisschen kritisches Hinterfragen?
Kaum bemerkt. Bereichernd?
Fragwürdig.

 

Was wir mitnehmen?
Die Struktur s e i n e r Locken,
das Kreis-Tattoo am rechten Oberarm.
Verliebtes Grinsen.
Kuschelstimmung.
I h r Lächeln. Ihre Stimme.
Wenn wer kocht, dann sie.
Wenn wer fährt, dann er.
Ah – und natürlich R u d i.
Eine Perfektion der Selbstinszenierung.

Schnitt

© Bild von Filiz Oktem